Aberkennung der Ehrenbürgerschaft für „Honoratioren“ mit NS-Vergangenheit

Bis zum heutigen Tag bestehen Ehrenbürgerschaften der Stadt Aachen für Träger, die an der Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft mitgewirkt oder aktiver Teil des nationalsozialistischen Systems waren, fort. Auch wenn die Träger nicht mehr leben und sie ihre Ehrenbürgerschaft nicht mehr wahrnehmen können, so fragen wir, warum die Stadt Aachen an den Ehrenbürgerschaften festhält. Bei der Ehrenbürgerschaft handelt es sich um die höchste Auszeichnung, die die Stadt Aachen vergeben kann. Daher sollte es selbstverständlich sein, dass diese Auszeichnung durch ein demokratisch verfasstes Gemeinwesen nur an Personen verliehen werden kann, deren Lebensleistung frei von Beteiligung an totalitären Systemen oder deren Unterstüzung ist.

Wir haben daher den folgenden Ratsantrag gestellt:

 


 

11. August 2009

Ratsantrag zur Sitzung des Rats am 19.08.2009:
Aberkennung der Ehrenbürgerschaft für „Honoratioren“ mit NS-Vergangenheit

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

ich beantrage, dass der Rat der Stadt Aachen die Ehrenbürgerschaft aberkennt für

  1. Dr. Kurt Pfeiffer, Karlspreisbegründer, ehemaliger Aachener Stadtkämmerer, Mitglied und Förderer der CDU, ehemaliges Mitglied der NSDAP.
  2. Albert Servais, ehemaliger Bürgermeister und später Oberstadtdirektor Aachens, Karlspreismitbegründer, ehemaliger Präsident des ALRV, CDU, Zentrumspartei, Mitglied der NSDAP laut SD (Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, nach Angaben seines Sohnes war Servais kein NSDAP-Mitglied, er sei förderndes Mitglied der SS gewesen.
  3. Ehemaliger Reichspräsident Paul von Hindenburg, bekanntermaßen Steigbügelhalter für Hitler und die NSDAP, sorgte mit für die Etablierung der NS-Herrschaft.

Diese haben als Personen des öffentlichen Lebens mit ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP das verbrecherische und menschenfeindliche System auf unterschiedliche Weise gestützt und gefördert, was einer Ehrenbürgerschaft der Stadt Aachen nicht entsprechen sollte.

Zu Dr. Kurt Pfeiffer wird u. a. berichtet (Deutschlandradio vom 28.4.2005): „[…] Einer von ihnen ist der Stadtkämmerer Kurt Pfeiffer über den Padover notiert: Er war in die Partei eingetreten, weil er sich geschäftliche Vorteile davon versprochen hatte. […] Im Laufe unseres Gesprächs ließ er jedoch durchblicken, dass er seinerzeit nichts gegen Hitler gehabt hatte. Er war sogar noch fünf anderen NS-Organisationen beigetreten, was seinem Geschäft nicht geschadet und sein Vermögen nicht geschmälert hatte. […] Ein Bürgermeister war Parteimitglied. Einer der führenden Männer war ein bekannter Gestapospitzel, von zweiundsiebzig Personen in ‚Schlüsselpositionen‘ waren zweiundzwanzig Nazis. Als wir die Militärregierung davon in Kenntnis setzen, berief man sich darauf, dass Oppenhoff diese Männer als ‚unentbehrlich‘ bezeichnet habe. Der so aufgedeckte ‚Aachener Skandal‘ macht in der amerikanischen und britischen Presse die Runde. […]“

Mit freundlichen Grüßen

Horst Schnitzler
(UWG Aachen)